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FERTIG ROBIDOG!

Der Hund, der nicht mehr wollte, dass man seinen Gagu aufwischt.

Entwarnung für alle, die sich unter der Dusche komische Fragen stellen und nicht wissen, ob sie damit allein auf der Welt sind! Denn egal wie schräg die Frage auch sein mag, der eidgenössisch diplomierte, in Steffisburg lebende Meeresbiologe und Briefeschreiber Günter F. Struchen hat sie höchstwahrscheinlich bereits gestellt. Seit er vom Rücken seines Ponys “Cinderella” fiel, den Schädel bös an einem Baumstamm aufschlug und infolgedessen eine Erleuchtung erfuhr, hat er seinen Beruf an den Nagel gehänkt und ist Briefeschreiber geworden. Statt die Gesänge von Pottwalen zu studieren, schreibt er Prominenzen, Institutionen, Behörden, Konzerne, Wissenschaftler und Politiker an und konfrontiert sie mit seinen abstrusen Fragen – und hat daraus schon ein Buch gemacht: “Von bewusstlosen Nilpferden & Titan-Badeanzügen”.

FERTIG ROBIDOG!

Der Hund, der nicht mehr wollte, dass man seinen Gagu aufwischt –
Die 182 besten Briefe aus fünf Jahren Korrespondenz

Herausgeber, Editor: Flavio Carrera
Autor, Author: Günter Struchen

Hardcover in luxuriöser Ausstattung, 384 Seiten, Fadenbindung, Zweifarbig, mit Lesebändchen |
Hardcover, deluxe edition, 384 pages, printed in two colours

Format, size: 153 x 224 x 38 mm

Edition Schlafwandler.ch im Herzglut-Verlag
Preis, Price: CHF 23.90- (zzgl. Versandkosten)

Sprache, language: Deutsch | German

ISBN 13: 978-3-03834-008-9
Erscheinungsdatum, publication date: 19. November 2015 | November 19, 2015

Das Buch auf der Verlagsseite (Link)

FERTIG ROBIDOG!

Weiterführende Informationen

Buchtaufe | Interview | Interview Swiss Comedy Award | Zum Autor (Biografie) | Kontaktdaten | Bildmaterial | Making of

FERTIG ROBIDOG!

Buchtaufe

Buchtaufe im Mundwerk Thun am Donnerstag, 19. November 2015, ab 20.00 Uhr.

Featuring: Günter Struchen Feat. Guest: Ocean Orchestra Special Guest: Schaller & Mickey Moderation: Sarah Getzmann & Reto das Affli After Party: DJ Björn Borg Buchtaufe - Fertig Robidog! von Günter Struchen Zurück zum Inhalt

FERTIG ROBIDOG!

Interview

Herr Struchen: Wer sind Sie?

Günter Struchen: Nun, allem voran bin ich überzeugt davon, dass ich bereits morgen nicht mehr der sein werde, der ich heute bin.

Einverstanden. Aber wer sind Sie heute, hier und jetzt?

In exakt präzis genau diesem Moment bin ich ein vrtami leidenschaftlicher Lebendiger.

Können Sie das näher erläutern?

Aber gerne. Ich denke, dass Leben und Tod nur zwei Extreme sind. Weil sie sich mit unserem Wahrnehmungsapparat besonders gut voneinander abgrenzen lassen, gehen wir fälschlicherweise davon aus, dass es die einzigen beiden Realitäten sind. Tatsächlich erstreckt sich zwischen ihnen aber ein Kontinuum. Ich habe das Gefühl, dass ich mich auf diesem Kontinuum momentan sehr weit weg von der Leiche befinde. Ich lebe leidenschaftlich gerne. Manchmal erwache ich mitten in der Nacht, weil ich es kaum erwarten kann, wieder bewusst zu existieren.

Sie wirken tatsächlich sehr lebensfroh. Waren Sie ein glückliches Kind?

Ich war in erster Linie ein seltsames Kind. Mir fiel es schwer zu akzeptieren, dass die Welt so ist, wie sie sich mir präsentierte. Es gab eine Zeit, da drehte ich mich immer wieder überraschend um, weil ich die Welt beim Nicht-Existieren erwischen wollte. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass alle anderen Menschen ebenso denken und fühlen konnten, wie ich es tat. Für mich war die Welt ein Puppenspiel und ich der einzige Zuschauer, um den alle anderen Puppen tanzten. Die entscheidende Frage war, wer die Fäden in Händen hielt. Und mit welcher Absicht.

Das klingt nicht nach einer unbeschwerten Kindheit.

Doch, doch… Zwar habe ich vermutlich vergleichsweise viel nachgedacht, aber ich konnte schon damals gut abschalten. Mein Grind hielt sich an die verordneten Timeouts und plagte mich nicht, wenn ich es nicht wollte. Deshalb schlief ich auch immer ordentlich. Und darum war ich letztlich wohl auch durchaus ein glückliches Kind, das in einem Moment über die Herkunft des Bösen sinnieren konnte; nur um Sekunden später Seifenpläterli-blasend und Schmetterlinge jagend durch Blumenwiesen zu rennen.

Aber es dürfte für Sie schwierig gewesen sein, Freunde zu finden?

Nein, nicht wirklich. Eine weitere Charaktereigenschaft von mir, die ich bis heute beibehalten habe ist, dass ich sehr anpassungsfähig… ach, nennen wir’s beim Namen… sehr verlogen bin. Die Zweifel, die kritischen Gedanken, die ehrliche Meinung diskutierte ich meist ausschliesslich mit mir selber aus. Mir war schon relativ früh bewusst, dass die Lüge ein wichtiges Fundament menschlicher Gesellschaften ist. Menschen, die ständig ihre Überzeugungen kund tun, sind unmögliche Cheiben. Wer eine einigermassen überzeugende Rolle spielt hingegen, findet leicht Freunde.

Sie wurden offensichtlich nicht religiös erzogen…

Sie meinen, weil Lügen im religiösen Kontext als Sünde gilt?

Genau…

Mit Gott war das so eine Sache. Ich wurde zwar religiös erzogen, aber es fiel mir ausgesprochen schwer, all den Berichten Glauben zu schenken, die mir zu Ohren kamen und die nicht selten widersprüchlich waren. Eines Tages, ich war wohl etwa fünf oder sechs Jahre alt, da beschloss ich, Gott eine faire Chance zu geben. Ich fertigte eine Zeichnung an, versteckte sie hinter einem Schrank, schloss meine Augen und sprach: «Wenn du wirklich existierst, Gott, so entferne die Zeichnung hinter dem Schrank. Ich zähle jetzt von zehn runter.» Als ich nachsah, befand sich meine Zeichnung immer noch am gleichen Ort und damit war die Sache für mich gegessen.

Sie fanden also nicht zu Gott, aber dafür zur Philosophie?

Kinder müssen nicht erst zur Philosophie finden. Die Kindheit ist eine Phase, in der wir von Neugierde angetrieben werden. Je neugieriger eine Person veranlagt ist, desto häufiger philosophiert sie. Kinder sind von Natur aus Philosophen, sobald das Bewusstsein in ihnen erwacht. Erwachsene können diesen Trieb zum Teil unterdrücken, aber gänzlich gelingt das niemandem. Eine andere Sache ist es aber zu lernen, wie man mit philosophischen Fragen umgeht. Dies erfordert ein Studium der Philosophie und damit meine ich nicht ein institutionalisiertes Studium, sondern einfach Phasen hartnäckiger und gründlicher Denkarbeit.

Sie schlugen jedenfalls kein Philosophiestudium ein, sondern wurden Meeresbiologe.

Dass ich Meeresbiologe wurde, kann als Unfall bezeichnet werden. Ich war fasziniert von den Naturwissenschaften, hätte mir aber gerade so gut auch vorstellen können, Physik, Astronomie oder Geologie zu studieren. Irgendwie rutschte ich aber in die Biologie und der Begriff «Meeresbiologie» wirkte anziehend auf mich. Und er ist es noch heute.

Waren Sie jemals in der Meeresbiologisterei tätig?

Das sagt man nicht so.

Waren Sie jemals als Meeresbiologe tätig?

Ja, unmittelbar nach dem Doktorat untersuchte ich die Sterilität von Bachforellenmännchen in den Gebirgsflüssen des Berner Oberlandes. Das Projekt wurde aber nach nur zwei Monaten eingestellt.

Warum?

Wir fanden keine.

Weshalb übten Sie danach nie wieder Ihren gelernten Beruf aus?

Das Hauptproblem war, dass der tatsächliche Berufsalltag mit meinen Vorstellungen des Berufes konfligierte. Ich wollte auf den Galapagos-Inseln mit Delfinen und Wasserschildkröten schwimmen. Bezüglich der Sterilität von Bachforellenmännchen war ich eher meinungsneutral.

Dann wurden Sie Briefeschreiber?

Es ist kompliziert.

Sie möchten nicht darüber sprechen?

Ich möchte nicht, dass Sie dann darüber sprechen.

Mir sind verschieden Erklärungen zu Ohren gekommen, wie Sie zu Ihrer jetzigen Tätigkeit kamen.

Daran trage ich selber Schuld. Weil mir die Frage, wie ich Briefeschreiber wurde, dermassen häufig gestellt wurde, entschied ich mich eines Tages dazu, jedem Fragenden eine andere Version aufzutischen. Es war als eine Art Experiment gedacht. Ich wollte überprüfen, wie viel Widerspruch eine Gesellschaft erträgt. Das war wohl ein Fehler gewesen, denn mittlerweile weiss ich selber nicht mehr genau, welche Erzählung der Wahrheit entspricht. Ich bin Opfer meines eigenen Experimentes geworden.

Schildern Sie uns doch die älteste der Versionen, an die Sie sich erinnern.

Eines Abends sass ich im Zug, als sich eine schwer übergewichtige Person ausgerechnet auf den Platz neben mich setzte, wobei ein Teil ihres Gesässes mir meinen Sitzplatz strittig machte. Zu allem Übel schlief diese Person nach wenigen Minuten Fahrt ein und begrub mich letztlich fast vollends unter sich. Darauf hin verfasste ich einen grimmigen Brief an die Bahnbetriebe und fragte sie, ob es eigentlich erlaubt sei, in ihren Personenwagen bewusstlose Nilpferde zu transportieren. Das war die erste Korrespondenz, an die ich mich erinnere. Und es folgten tausende mehr.

Die Version, die mir erzählt wurde, geht viel weiter, nämlich in den März des Jahres 1974 zurück…

Auch eine nette Geschichte. Ich war damals ein Jüngling und ritt mein Pony Cinderella aus, als dieses beim Hupf über eine Meerträubelistaube stolperte. Ich wurde aus dem Sattel geschleudert und zerbeulte mir gehörig den Grind. In diesem Augenblick erfuhr ich eine Art Erleuchtung. Tausende Fragen wirbelten plötzlich in meiner Schädelhöhle hoch, wie die Diasporen eines Löwenzahn. Seit diesem schicksalshaften Moment bin ich damit beschäftigt, diese Fragen abzuarbeiten. Die Briefeschreiberei ist im Endeffekt die Folge eines Unfalls. Und es ist eine Therapie.

Ihren ersten Briefband, der 2011 unter dem Namen «Von bewusstlosen Nilpferden & Titan-Badeanzügen» bei Schlafwandler.ch erschien, verkaufte sich insgesamt rund 1’600 mal. Vier Jahre später erscheint nun Ihr zweites Buch. Was darf der Leser erwarten?

Der zweite Briefband umfasst die besten Briefe aus fünf Jahren Korrespondenz. Einige der Briefe wird der aufmerksame Leser also bereits kennen. Den grössten Teil machen aber neue Briefe aus. Korrespondenzen, die entweder erst nach Veröffentlichung des ersten Bandes stattfanden, oder die im Archiv untergegangen waren. Der Leser darf humorvolle, authentische und tamminomau absurde Briefwechsel mit einer Vielzahl an Institutionen, Behörden, Politiker und Experten erwarten. Darüber hinaus hat das Ganze nun grüselig viel Tiefgang.

… und das Buch sieht optisch wesentlich anders… wesentlich besser aus, als noch das erste. Es erscheint aussen in einem goldenem Umschlag, innen dominiert die zwar gewöhnungsbedürftige, aber durchaus hübsche Farbkombination Rosa und Braun.

Leuchtrosa und Gagubraun, genau genommen. Dazu muss man folgendes wissen: Das neue Buch wurde in Zusammenarbeit mit dem hochbegabten Grafiker und Illustrator Jerzovskaja aus Zürich produziert. Er hat nicht nur wunderbare Abbildungen angefertigt und eine gezeichnete Günter Struchen-Figur kreiert, sondern auch die Produktion gemanagt. Wenn Sie das Buch in die Hand nehmen und darin blättern, werden Sie prompt feststellen, dass da ein Profi am Werk war. Die Materialien sind hochkarätig, die Gestaltung harmonisch, der Siebdruck auf dem Cover vom Feinsten, das Papier wohlduftend… Da stimmt alles, bis aufs Detail. Jerzovskaja pflegt amigs zu sagen, es sei die hochwertigste Scheisshauslektüre, die der Planet seit der Geburt Roger Köppels zu Gesicht bekommen habe.

Auch dieses Buch wird von Schlafwandler.ch, Ihrer eigenen Agentur verlegt. Man munkelt, Schlafwandler habe noch nie schwarze Zahlen geschrieben…

Und damit munkelt man völlig richtig. Schlafwandler.ch ist ein Verlag, der nicht nach den Regeln der Marktwirtschaft tanzen muss. Er ist sozusagen jene Opernsängerin, die vor versammelter personifizierter Dekadenz das Röckli lüpft und statt zu singen auf die Bühne scheisst. Täte Schlafwandler.ch einmal Gewinn erzielen, würden wir uns umgehend ordentlich hintersinnen und teurere Bücher produzieren. Oder eine neue Kafimaschine anschaffen. Oder eine Märklineisenbahn. Für die Leser ist es auf alle Fälle von Vorteil, dass solche Agenturen existieren, denn das Preis-Leistungs-Verhältnis ist uns hochkantig egal. Wir wollen einfach nur sauglatte Bücher unter die Menschen bringen.

Sie haben eigens für Ihre Bücher das Genre der «Toiletten-Begleitlektüre» erfunden. Werten Sie Ihre Produkte mit dieser Bezeichnung nicht ab?

Iwo! Nur, weil in Toiletten unter anderem auch gegaglet wird, heisst das noch lange nicht, dass alles, was diesen Begriff beinhaltet, automatisch auch mit Fäkalbakterien kontaminiert ist. Das charakteristische Merkmal von Büchern dieses Typs ist, dass sich ihr Inhalt häppchenweise verdauen lässt, wobei jeder Happen im Durchschnitt nicht mehr Zeit beansprucht als ein mittelmässiger Stuhlgang. Daher der Name. Ob das Buch aber auch tatsächlich neben der Toilette deponiert wird oder nicht, ist letztlich belanglos. Auch die Nichtlustig-Bücher oder die Mickey Mouse-Taschenbücher zähle ich übrigens zu diesem Genre.

Der neue Briefeband trägt den Titel «Fertig Robidog! Der Hund, der nicht mehr wollte, dass man seinen Gagu aufwischt. Können Sie uns die Bedeutung dieses Buchtitels erläutern?

Die Gründe, weshalb wir dem zweiten Briefband diesen Namen verliehen, sind in der Einleitung des Buches im Detail beschrieben. Wer Zeit und Lust hat, kann sie dort nachlesen. Im Grossen und Ganzen hat es mit jenem Geistesblitz zu tun, den ich im Frühjahr 1974 gebar, als ich vom Rücken meines Ponys Cinderella fiel. Es waren eine Menge Brainstorming, einige ruhige Minuten auf einer Parkbank, ein selbst-gedrehtes Sigerettli und eine Büchse Bier notwendig, ehe der Titel endlich in der endgültigen Form am Bildschirm aufleuchtete.

Neu ist in Ihrem Buch, dass Sie die Briefe strukturiert und in fünf Kapitel eingeordnet haben.

Genau und diese fünf Kapitel entsprechen den fünf Fragen, die der Philosoph Immanuel Kant seinerzeit formulierte und die – seines Erachtens – das ganze Spektrum philosophischer Tätigkeit abdecken. Wer bin ich? Was soll ich tun? Was kann ich wissen? Was darf ich hoffen? Und: weshalb zum Henker liegt da ein blaues Chesseli mitten im Wald?

Dass die letzte Frage auch von Immanuel Kant stammen soll, kaufe ich Ihnen nicht ab.

Die Wege des Herrn sind unergründlich.

Diese Antwort ergibt in diesem Zusammenhang nicht im entferntesten einen Sinn.

Vermutlich haben Sie recht. Aber es musste mal gesagt sein.

Sie versprechen dem Leser also mehr Tiefgang. Geht dieser Tiefgang zulasten des Humors?

Der Rahmen des neuen Buches ist ein philosophischer. Ich glaube, der Leser wird das rasch feststellen. Allerdings ist die Mehrheit der Briefwechsel nach wie vor primär humorvoll und mengisch auch ordentlich bescheuert. Dazu kommen aber einige Briefe, die durchaus Erkenntnisgewinn ermöglichen oder zum ernsthaften Nachdenken anregen. Wer das nicht will, kann die betreffenden Korrespondenzen einfach überspringen.

Wie könnten wir dieses Gespräch am besten ausklingen lassen?

Hmm… Sie könnten mir ein Käfeli bezahlen.

Eines mit Milchschaum und einem Güetzeli dazu?

Hau ja, das wäre schön.

Sind Sie nun, da das Interview zu Ende ist, ein bisschen näher an der Leiche, oder noch weiter weg davon?

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FERTIG ROBIDOG!

Interview im Vorfeld des Swiss Comedy Award

Wie äusserte sich dein komisches Talent in der Schule?

Günter Struchen: In der Schule nannte man mich Liiribänz, denn ich war ein Kind, das mit Bäumen sprach. Während meine Gspändlis auf dem Pausenhof herumtollten, oder Streiche ausheckten, sass ich amigs vorzugsweise unter Lindenbäumen, streichelte deren Rinde und führte Selbstgespräche. Die Bäume waren die einzigen Lebewesen, die meine unaufhörliche Fragerei ertragen konnten. Heute spreche ich immer noch mit Bäumen, doch statt mich zu meiden und in die Schublade der Sonderlinge und geistig Gestörten zu stecken, befindet die Masse nun, ich sei ein glatter Cheib. Menschen sind seltsam.

Erarbeitet sich ein Comedian sein Publikum auf der Bühne oder im TV?

Ein Comedian «erarbeitet» sich sein Publikum – so glaube ich – überhaupt nicht. Wenn schon, dann ist es gerade andersrum. Künstler sind Tanzbären. Unser künstlerisches Überleben hängt vom Applaus derer ab, die sich neugierig um uns scharen. Und natürlich von der Gnade der Medien. Sie sind es, die das Ende der Kette in Händen halten. Künstler werden also an ihrem Unterhaltungswert gemessen. Über welches Medium das Publikum bedient wird, spielt keine bedeutende Rolle.

Wann ist eine Comedy-Show gut?

Ein Indikator für eine gute Comedy-Show ist in meinen Augen, dass der Zuschauer überraschend zum Lachen gebracht wird. Eine ausgezeichnete Darbietung ist es dann, wenn der Künstler durch sein Schaffen ausserdem zum Denken anregt und bestenfalls sogar das zukünftige Handeln seines Publikums verändert.

Wer ist besser, witziger, spontaner: Kaya Yanar oder Marco Rima?

Sowohl Kaya Yanar, wie auch Marco Rima bescherten mir in meiner Jugend den einten oder angeren heiteren Moment. Ihre heutigen Programme kenne ich allerdings nicht mehr. Zuoberst auf meiner persönlichen Rangliste steht derzeit der deutsche Kabarettist Volker Pispers. Er ist nicht nur scharfzüngig und humorvoll, sondern darüber hinaus auch noch veienchli intelligent.

Hat Humor Grenzen?

Dem Humor, so wie der Meinungsäusserung im Allgemeinen, sollten keine rechtlichen Einschränkungen auferlegt werden, was aber nicht heisst, dass keine moralischen Grenzen existieren würden. Menschen, die diese Grenzen übertreten, müssen jedoch nicht bestraft werden, sondern sollten gesellschaftliche Ächtung und Kritik erfahren. Problematisch ist, dass kein Konsens besteht, wo genau diese moralischen Grenzen verlaufen. In meinen Augen betritt ein Künstler dann die Gefahrenzone, wenn er das Risiko eingeht, die Würde anderer Menschen zu verletzen. Humor auf Kosten von Institutionen, Firmen, Religionen oder Ideologien, erachte ich als unproblematisch. Anders verhält es sich aber bei Humor, der auf Kosten anderer Menschen geht. Insbesondere dann, wenn es sich dabei um Minderheiten handelt.

Muss ein guter Politiker Humor haben?

Humor scheint mir zumindest eine wichtige Charaktertugend zu sein, um das Leben als Politiker ertragen zu können. Ich kann mir nicht erklären, wie sonst derzeit all die, teilweise durchaus vernünftigen Menschen ihre Wahlkämpfe überleben, ohne den Verstand zu verlieren. Würde mir tagtäglich und an jeder Strassenecke mein, mit einem bescheuerten Spruch überschriebenes Antlitz entgegen grinsen, so bedürfte ich jedenfalls einer grossen Menge an Gelassenheit, Selbstironie und eben auch Humor. Zurück zum Inhalt

FERTIG ROBIDOG!

Biografie Günter Struchen // Flavio Carrera

Der eidgenössisch diplomierte Meeresbiologe Günter F. Struchen ist eine Kunstfigur des in Küssnacht am Rigi wohnhaften Philosophen und Gymnasiallehrers Flavio Carrera. Flavio kam am 9. Februar 1987 in Thun, an der Pforte zum Berner Oberland zur Welt. Als Sohn eines anarchistisch veranlagten Spaniers und einer reformierten Appenzellerin, lernte er die Widersprüchlichkeit des Lebens bereits früh kennen und schätzen. Er wuchs behütet mit zwei Geschwistern, einem Grossvater und einer Katze, in unmittelbarer Nähe zu einem Bauernhof auf. Flavio war ein guter und gehorsamer Schüler. Die Lehrpersonen beurteilten ihn als zwar ziemlich verwirrt, dafür aber auch fantasievoll und friedliebend. Augenfällig war, dass er ein besonderes Mitgefühl für Tiere zeigte. Während es ihm verhältnismässig leicht fiel, menschliches Leid zu ertragen, haderte er mit der allgegenwärtigen Unterdrückung der Tiere und warf Steaks stets zunächst grimmige Blicke zu, bevor er sie verspeiste. Und wenn er nach regnerischen Nächten systematisch verspätet im Unterricht erschien, so war dies dem Umstand geschuldet, dass er allen Regenwürmern und Häuselischnecken, denen er auf dem Weg begegnete, von der Strasse an einen sicheren Ort verhelfen wollte. Damals misslang es Flavio noch, die globalen Dimensionen der lokal beobachteten Missstände zu erahnen. Es sollten noch viele Jahre vergehen, ehe er verstehen sollte, dass auch er kein Held, sondern nur ein Sisyphos unter vielen war. Mit zunehmendem Alter trat sein politisches Wesen deutlicher an den Tag. Der vorläufige Höhepunkt war erreicht, als er in der 8. Klasse mit einigen Mitschülern die «Freie Partei der Visionäre» gründete, eine politische Vereinigung, die sich für mehr Bäume im Dorf und für Kopfsteinpflaster statt asphaltierter Strassen einsetzte. Obwohl die Vereinigung rasch Bekanntheit erlangte und ihre Mitglieder der radikalen Mittel wegen gefürchtet wurden, konnte kein einziges der politischen Ziele erreicht werden. Die Partei wurde nie aufgelöst und existiert deshalb, streng genommen, noch heute. Im letzen obligatorischen Schuljahr wurde Flavio von der Schulleitung aus heiterem Himmel und zu Unrecht der Unterschriftenfälschung bezichtigt. Dieses Ereignis traumatisierte ihn nachhaltig und weckte in ihm die Argwohn gegenüber Autoritäten. Es war ein weiterer Schritt im Prozess der kompromisslosen Entmystifizierung der Welt, den Flavio ging. Nachdem er bereits den St. Nikolaus, den Osterhasen und die Zahnfee entzaubert hatte, hinterfragte er nun auf einmal die Rolle und Stellung der Eltern, der Idole und von Autoritäten im Allgemeinen. Letztlich sollte er sogar Gott von dessen zuvor unangetasteten Thron stürzen. Glücklicherweise lernte Flavio in dieser Zeit Cornelia Oesch kennen, seine zukünftige Ehefrau. 2002 trat er in die Kantonale Mittelschule Thun Seefeld über. Die gymnasiale Ausbildung bezeichnet er rückblickend als eine der lehrreichsten und angenehmsten, aber auch anstrengendsten und irritierendsten Phasen seines Lebens. Das Gymnasium Thun Seefeld war auch der Ort, an dem Flavio seiner zweiten Liebe und späteren Berufung, der Philosophie begegnete. Wie in vielen Liebesgeschichten, stand auch in dieser am Anfang der Zufall, denn Flavio wählte das Ergänzungsfach Philosophie, obwohl er damals nicht wusste, was sich hinter diesem Begriff verbarg. Seine Entscheidung traf er rein auf Grund dessen, dass das Fach einen wohklingenden Namen hatte und darüber hinaus im schönsten aller Gebäude und vom nettesten aller Lehrer unterrichtet wurde. Die Philosophielektionen am Freitagnachmittag prägten ihn stark, da er mit einer Menge fundamentaler Fragen konfrontiert wurde, deren Beantwortung sowohl ihm, wie auch allen anderen konsequent misslang. Eine Eigenheit, die ihm zusagte. 2005 musste Flavio die Aufnahmeprüfungen der Schweizer Armee absolvieren. Nach nur zwei Tagen, nachdem ihm eine Doktorin mithilfe einer Glockenkurve vor Augen geführt hatte, sein IQ befände sich am linken Rand, knapp über dem Bonobo, wurde er entlassen und in jeder erdenklichen Hinsicht als dienstuntauglich befunden. Diese glückliche Fügung ermöglichte es ihm, unmittelbar nach dem diplomlichen Nachweis seiner Maturität, das Studium der Wirtschaftswissenschaften zu beginnen. Der Plan sah vor, die Philosophie ein Leben lang als Freizeitbeschäftigung fortzuführen und als gewitzter Geschäftlimacher fett und steinreich zu werden. Zwar glänzte er in einigen Veranstaltungen mit hundertprozentiger Anwesenheit, trotzdem stürzte ihn das Studium bereits nach wenigen Wochen in eine Sinnkrise, als er – wiederum aufgrund eines Zufalls – die Werke von Karl Marx und Jean Jacques Rousseau zu lesen begonnen hatte. Marx und Rousseau waren es, die Flavio, wie er später sagte, aus seinem anfänglichen, dogmatischen Schlummer weckten. Plötzlich haderte er mit der nahezu totalen Zentrierung jeglicher intellektueller Tätigkeit auf das Kapital und mit den mehreren hundert jungen Betriebswirtinnen und Betriebswirten, inmitten derer er sich jeden Morgen wiederfand und die dem Geld nachhechelten, wie Hunde den Gutzelis. Nach zwei qualvollen Semestern brach Flavio das Studium ab und verschrieb sich in der Folge der Philosophie und den Naturwissenschaften Biologie und Geografie. Diese kuriose Fächerkombination führte dazu, dass er an einigen Tagen komplexen Gedankengängen nachging, während er an anderen Tagen mit Gummistiefeln ausgestattet durch Flüsse watete, Fische sezierte oder auf verlassenen Wiesen im Kanton Wallis die Verbreitung seltener Heuschrecken kartierte. Seinen Masterabschluss erzielte er in Wissenschafstheorie und Wissenschaftsgeschichte an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bern. Von 2010 bis 2014 unterrichtete Flavio vertretungsweise an diversen Gymnasien, arbeitete zugleich als Hilfsassitent am Institut für Philosophie und begann seine Ausbildung zum Gymnasiallehrer an der Pädagogischen Hochschule Bern. 2014 schloss er die Ausbildung ab. Er trat eine Stelle als Philosophielehrer an und wechselte seinen Wohnsitz infolgedessen nach Küssnacht am Rigi, im Kanton Schwyz. 2011 gründete Flavio den Blog BewusstloseNilfperde.com, auf dem er noch heute die Briefwechsel seiner Kunstfigur Günter Struchen veröffentlicht. Im gleichen Jahr erschien die erste Auflage seines Briefebandes «Von bewusstlosen Nilpferden & Titanbadeanzügen». Im Frühjahr 2012 trat Flavio als Special Guest an einer Poetry Slam Veranstaltung auf, wo er einige seiner Briefwechsel vorlas. Damit begann seine Bühnenkarriere. In der Folge war er auf verschiedenen Kleinkunstbühnen in Basel, Burgdorf, Luzern, Zürich, Bern, Zug und Emmen zu sehen. Teilweise wurde er von Gottfried Chummer begleitet, eine Figur aus dem Struchen-Universum, die durch den Steffisburger Informatiker und App-Entwickler Michael Moor verkörpert wird. Im Juli 2015 heiratete Flavio seine Jugendliebe Cornelia Oesch. 2015 wurde Flavio für das Finale des Swiss Comedy Award nominiert, der am 31. Oktober 2015 über die Bühne ging. Im November 2015 veröffentlichte er in Kooperation mit dem Zürcher Grafiker und Illustrator Jerzovskaja seinen zweiten Briefeband «FERTIG ROBIDOG! – Der Hund, der nicht mehr wollte, dass man seinen Gagu aufwischt». Zurück zum Inhalt
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SCHLAFWANDLER.CH • Günter Struchen, Eidg. dipl. Meeresbiologe

Flavio Carrera // Günter Struchen • Seeplatz 4 • 6403 Küssnacht am Rigi • +41 (0)79 675 30 70 g.struchen@schlafwandler.chwww.schlafwandler.ch  

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